Kein Jahresendspurt ohne Prognosen, Kaffeesatzleserei und visionäre Ausblicke für das neue Jahr! Dem möchte ich natürlich in nichts nachstehen. Deshalb hier meine ganz persönlichen und für das Sportbusiness redigierten Recruiting Trends 2026.
KI? Es bleibt bei einem „Ja, aber“!
Künstliche Intelligenz wird 2026 und auch bei vielen KMU’s im Sport weiterhin an Bedeutung gewinnen und im Screening, Matching oder als Helferlein im Prozess genutzt werden. Gleichzeitig wird aber die KI-Compliance wichtiger. Stichworte sind u.a. Transparenz, Bias-Risiken, Datenschutz. KI und HR-Tech sind aber auch nächstes Jahr nicht das Thema, das Recruiter im Sportbusiness am meisten umtreiben wird. Themen wie die Qualität der Bewerbungen, nicht wettbewerbsfähige Prozesse, allgemeines Ghosting oder die Time-to-Hire im Wettbewerb zu anderen Branchen sind viel kritischer als neue KI-Funktionen. Grundsätzlich und auch mittelfristig bleibt m.E. die Losung „Technologie und Empathie“, also Mensch und dann erst Maschine…
Daten, Daten, Daten!
Recruiting wird messbarer und Data Analytics vom Performance Marketing bei der Ausschreibung, über die Kampagnen- und Budgetsteuerung bis zur Steuerung der Candidate Journey in der HR-Software, bringen Effizienz, Geschwindigkeit und bessere Entscheidungen. Denn Daten sind kein Selbstzweck, sie ermöglichen viel mehr bessere Entscheidungen durch die Recruiter in Fleisch und Blut.
Strategische Personalarbeit ist weiterhin das ungeliebte Stiefkind!
Employer Branding und Recruiting als komplexe Fachdisziplinen werden immer noch unterschätzt und haben wohl auch im kommenden Jahr nicht die notwendige Management-Attention. HR, aka people & culture, leidet unter einer allgemein mangelnden Priorisierung im Unternehmen. Auch wenn viele Sportorganisationen nun von ehemals zwei auf acht Personaler aufgerüstet haben (die sich um 450 Mitarbeiter kümmern…). Trotzdem wird auch 2026 wieder peux a peux mehr in HR-Personal, HR-Tech oder auch Kulturarbeit investiert – ein Silberstreif am Horizont.
Das Buzzword-Bingo hält an!
Die 4-Tage-Woche, Skill-based-Recruiting und agile Arbeit sind nur einige Beispiele. In der Recruiting-Realität, stellvertretend für die Arbeitsmarkt-Realitäten, spielen viele der Buzzword-Schweinderl, die durchs Dorf getrieben werden, aber keine Rolle. Trotz mehr Personal und viel mehr Tech rekrutiert „der Sport“ auch weiterhin wie ehedem, eher langsam und aus dem Komfort und Verständnis heraus, dass ja eh alle im gelobten Land des Sportbusiness arbeiten wollen. Fragt sich nur wie lange noch oder ob das überhaupt noch gilt…
Die Kandidaten-Reise und -Experience bleibt mittelmäßig!
State of the Art Recruiting mit transparenten und schnellen Prozessen, Stärkenorientierung und Wertschätzung und aus einer authentischen Employer Brand heraus, wie es in hoch kompetitiven Märkten zunehmend Usus ist, bleibt im KMU-geprägten Sport erst mal noch Wunschdenken. In der Realität kämpfen die meisten auch 2026 mit dem eigenen Selbstverständnis und operativen Herausforderungen, um neue Erwartungen an Arbeit, aka New Work, bedienen zu können.
Bewerber bleiben selbstbewusst!
Trotz der Unkenrufe der Boomer und Arbeitgebermarkt-Revanchisten bleiben Bewerber und Kandidaten jeden Alters und jeder Generation emanzipiert. New Work, auch als Haltung, bleibt. Love it (embrace it) or leave it.
Flexibilisierung und Selbstbestimmung sind auf dem Vormarsch!
Hybride Arbeit bleibt. Aber auch flexiblere Anstellungs- und Arbeitsmodelle gewinnen an Bedeutung. Und das ist auch bitter nötig. Stichworte sind Frauenerwerbsquote, Renteneintrittsalter, Fachkräftemangel. Letzterer ist im Sport noch ein indirekter und durch den Pull anderer Branchen spürbar. Nichts desto trotz ist der Sport Teil einer Volkswirtschaft und nicht immun gegen die Megatrends – vom demographischen Wandel, über Krieg und Inflation bis zu den großen Transformationskrisen um Klima, Deindustrialisierung, Digitalisierung und KI.
Die good News aber:
Das Sportbusiness jammert auch 2026, wenn überhaupt, auf hohem Niveau!
Transformation ist für die Branche mehr Chance als Risiko oder gar Disruptor. Auch und gerade im Bereich Organisation und Personal.
In diese Sinne ein „Prost Neujahr“, „zickezacke hoihoihoi“ und „pack mer’s“!
