Regelmäßig werde ich mit dem Verdachtsmoment konfrontiert „der Sport zahle schlecht“!
Interessanterweise beinhaltet diese Aussage gleich zwei Fehler.
Erstens, dass man in der Sport-Branche pauschal schlecht oder schlechter verdient als anderswo, viel gravierender aber, dass es „den Sport“ als Branche gäbe.
Im Sport, der „Sport-Branche“, die es so wie gesagt kaum als abgrenzbaren Markt gibt, verstecken sich zahlreiche teils durchaus unterschiedliche Branchen und Berufsfelder. Sei es die Sportartikelbranche, die eher vielleicht auch der Branche „Textil und Handel“ zuzuordnen wäre oder das gesamte Feld von Gesundheit und Fitness zwischen Training, Reha, Medizin und Freizeit-Industrie oder eben der sogenannte organisierte Sport aus Clubs, Ligen und Verbänden und der nahen wertschöpfenden Peripherie. Um nur einige wenige zu nennen.
Subsumiert man in Gehaltsstudien die falschen Quellen, um für „den Sport“ eine Aussage treffen zu wollen, können unweigerlich keine exzellenten Ergebnisse entstehen. Ganz zu schweigen davon, dass die globalen bekannten Gehalts-Reports „den Sport“ erst gar nicht abgrenzbar erfassen.
Um z.B. für einen Verein oder Verband einen sehr guten Gehalts-Benchmark für die Hierarchien Manager, Senior Manager und Abteilungsleiter zu erstellen, braucht es ein sehr enges Sample an Daten des direkten Wettbewerbs. Die Sponsoring Abteilungsleiterin Automotive zerschießt ein solches Daten-Sample, genauso wie der Sportartikel Manager mit sechs Jahren Berufserfahrung, den man mit etwas oder viel mehr Geld nach Herzogenaurach locken und halten will oder auch die Media Rights Managerin bei einem Start Up, das ganz schnell, ganz viel Personal mit noch mehr Fremdkapital und einem Hurra-Business-Case eingestellt hat, koste es was es wolle. Beispiele für minder-Zahler, die solche Daten-Samples zerlegen gibt es natürlich auch, sei es der Kleinstverband oder Redaktionsjobs oder auch Account Manager Rollen bei ganz kleinen Agenturen und abseits der großen Accounts.
Deshalb empfehle ich für Gehalts-Benchmarks eher (m)eine Datenbank, als globalere Gehaltsstudien.
Personalberater können in der Regel passgenaue Datensätze generieren, natürlich anonymisiert, um für jeden Mandanten und (fast) jede Stelle und Rolle in der Sportbranche individuell einen echten Benchmark generieren – adäquat und relevant zu den Realitäten des Auftraggebers.
Nichtsdestotrotz gibt es gerade „seit Corona“ beachtenswerte und interessante Entwicklungen in Gehalts-Fragen für den Arbeitsplatz Sportbusiness, wobei ich damit den kommerziellen, medialisierten Profisport und seine Wertschöpfung meine. Meine Beobachtungen beziehen sich entsprechend vor allem auf Clubs, Ligen und Verbände und ihre GmbH’s, Agenturen, Vermarkter, einschlägige Sportmedien und die nahe Dienstleister- und Wertschöpfungsperipherie wie etwa Sport-Daten oder Sportwetten. Ebenso sind diese Beobachtungen und Entwicklungen vor allem Post-Corona, also seit 2021/22, signifikant.
Um der langen Vorrede, einen knackigen, halb-langen Sinn hintenanzustellen, hier meine punktuell zugespitzten top10 Erkenntnisse zum Thema Gehalt im Sportbusiness:
- Money, money, money!
Geld ist weiterhin die #1 für Jobsuchende und -findende. Zwar inzwischen gefolgt von flexibler Arbeit als Trigger und Wunsch, aber – zu Recht – ist das liebe Geld immer noch die eins - Es wird „teurer“!
Seit 2021 erleben wir auf fast allen Gehältern und Senioritäten eine Inflation von 15-20%. Diese Entwicklung ist getriggert durch die Inflation an sich, aber auch durch ein neues Selbstverständnis vieler Arbeitnehmer, den steigenden Wettbewerb um Fach- und Führungskräfte oder durch die weitere Explosion der Mietpreise in vielen Metropolen - Spezialisierung treibt Gehälter
Viele Unternehmen im Sportbusiness konkurrieren in Spezialdisziplinen, die längst nicht mehr nur noch mit Spökos zu besetzen sind, mit dem globalen Arbeitsmarkt und müssen sich den Gehaltsgrößen außerhalb des Sports stellen. Dies gilt insbesondere für alle Tech-nahen Jobs rund um die Digitalisierung von Geschäftsmodellen von der klassischen IT über e-Commerce bis zu Social Media - GenY und Z schon wieder…
Junge Arbeitnehmer fragen mehr denn je nach dem Gehalt, fordern etwas mehr und tun dies mit mehr Selbstbewusstsein und Nachdruck als meine Generation (X). Manchmal anstrengend aber richtig so! Und der Markt gibt es ja auch weitgehend her - New Work und neue Erwartungen an Arbeit
Alle Generationen haben sich auf den Weg gemacht klassische Arbeitszeit- und Anstellungs-Modelle zu hinterfragen inkl. der zu Grunde liegenden Bezahlung, sei es bei der Bedeutung und Nachfrage nach geldwerten oder cash Boni, Interesse an einer 4–Tage-Woche mit 100% oder auch 80% Gehalt oder indem die obligatorische Festanstellung in Vollzeit als Langzeitverhältnis zur Disposition steht - You live and learn!
Mit zunehmender Seniorität und Kenntnis der Gegebenheiten im Sportbusiness, nimmt die Kontroverse ums Geld ab, sowohl bei internen Beförderungen und Entwicklungen als auch bei einer beruflichen Veränderung hin zu einem neuen Arbeitgeber. Die Diskrepanz vom IST zum SOLL-WILL-HABEN-Gehalt wird kleiner, man arrangiert sich mit ca. 15% Steigerung - Der Sport zahlt am Ende dann doch schlecht(er) !?
Bis Mitte 30 und bis zu einer „mid-level-Seniorität“ verdient man im Sport nicht wesentlich schlechter als anderswo, dann geht die Schere auf und in vielen Industrie-Branchen knackt man z.B. die 150K p.a. fast schon per Anwesenheit. Als Personalberater erhält man diesbezüglich fast wöchentlich mitunter „amüsante“ Initiativbewerbungen von Senior Management Quereinsteigern, z.B. aus der Automobil- oder Finanzwirtschaft, die endlich ihrer privaten Passion nachgehen möchten und jetzt mit Mitte 40 auch bereit wären von ihrem Gehalt von 350K auf 250 zu reduzieren, um endlich der Leidenschaft Sport frönen zu können. Man mutiert dann vom Berater zum Expectation Manager… - Das Märchen von der knallharten Gehaltsverhandlung
Gehälter werden im Sportbusiness kaum hart verhandelt, in einem Peoples Business mit KMU’s kennen alle Parteien recht früh die Spielregeln, die Gehalts-Range und die Korridore und man einigt sich plus minus 15% zum Planbudget. Ausreißer sind also auch eher selten, die Bäume wachsen nicht in den Himmel, wer meint hoch einsteigen zu können, schießt übers Ziel hinaus und sich selbst ins Abseits - Fachkräftemangel und Bewerbermärkte
Ein indirekter Fachkräftemangel wird trotzdem auch das Sportbusiness treffen. Meint: andere Branchen mit realem und teils existenzbedrohendem Fachkräftemangel – den der Sport nicht hat und kurzfristig haben wird – werden die Belegschaften der großen und kleinen Sportbusiness-Player angreifen und so (indirekt) Druck auf die Gehaltsfrage erzeugen - Und das Totschlag-Argument zu guter Letzt: Geld ist nicht alles!
Wer vor allem wegen des Geldes arbeitet, ist langfristig im Sport falsch und sollte das lieber früher als später erkennen
Für alle die hier tiefer einsteigen wollen… gerne melden.
Denn Geld macht nicht glücklich, aber es beruhigt… 😊
